|
Le LSV | Ses activités | Ses membres | Liens |
||||
Zurück zum Schnee: Falls er hier überhaupt einmal liegen bleibt, verwischen die Tritte derjenigen, die kommen, schnell die Tritte derer, die gehen, und das Weiß wird zu braunem, grauem, schwarzem Matsch, und man trifft sich viel in diesen Straßen und Höfen voller Geräusche und Gerüche, wo die Menschen auf engem Raum wohnen und sich auf engem Raum im Freien drängeln, arbeiten, schwatzen, tratschen, Handel treiben, Klatsch führen, neueste Nachrichten aus dem kleinen Umkreis und der großen Welt austauschen. Als Du vier bist, hörst Du daheim zum ersten Mal von einem Mann namens Bonaparte reden, der aus Korsika nach Frankreich gekommen ist, um von hier aus die Welt zu befreien, sagen die einen; zu beherrschen, sagen die andern. Zwei Monaten zuvor hat der Korse Frieden geschlossen mit Österreich. In Lunéville. Herr Schubert findet Lunéville nicht einmal auf seiner Erdkugel. Er muss schon in die Stadt gehen, um zu erfahren, dass es in Lothringen liegt, ein prächtiges Schloss hat und dabei ist, sich durch besondere Formen der Stickerei einen Namen zu machen. Als er das über Tisch berichtet, liegt bereits Frühling in der Luft. Ihr schaut ihn alle mit den Augen der Bewunderung an: Was der alles weiß, der Herr Vatter, denkst Du, und etwas wie eine Art von achtungsvoller Liebe steigt in Dir hoch, die stärker noch ist als Deine ständige, aus dem Respekt geborene Furcht. Es gibt an diesem Mittag Fische, Donaufische. – Der Vater eines Schülers hat sie gefangen und seinem Sohn für mich mitgegeben, für jeden von uns einen, so aufmerksam ist er gewesen, und er hat es nicht etwa getan, um mir zu schmeicheln, aber so hoch schätzt er mich und so dankt er mir für das, was ich für seinen Sohn tue. So sagt er, und ihr spürt den Stolz in seiner Stimme. Mutter aber sagt: – Vater, Sie entschuldigen mich, aber in meinem Zustand… – Was hat das mit Deinem Zustand zu tun? knurrt er. Wenn für einmal Fisch auf den Tisch kommt, dazu mit Buttersoße, sollten alle sich darüber freuen, auch Du, Elisabeth. – Aber Sie wissen doch, dass es wieder die Zeit ist, wo mir übel wird und ich mich erbrechen muss. – Doch nicht von einem Donaufisch, meine Beste, nicht von einem Donaufisch. Die Mutter sitzt neben Dir. Sie schweigt und beugt sich über Deinen Teller: – Franzl, warte, ich öffne ihn für dich. Du bist bleich und rot geworden, wie Deine Mama, und starrst auf den Teller, auf dem der Fisch liegt. Ignaz hat Dir einmal erzählt, wie sie gefangen werden: mit einer Angelrute, an deren Ende ein Haken ist mit einem Wurm. Der Fisch will den Wurm schnappen, und der Haken bohrt ihm das Maul durch, dann sitzt er fest, und der Fischer zieht ihn ans Land. Der Fisch zappelt, und wenn er in Korb geworfen wird, springt er schnappend auf und ab, bis er tot ist. – Tut es weh? hast Du gefragt, und er hat mit Ja geantwortet. Und nun starrst Du den Fisch an, das runde Auge, – ob es Dich noch sehen kann? –, während Mama mit einem Schnitt den Kopf abtrennt und einem zweiten den Schwanz, dann mit einem geraden den Körper aufteilt. – Das sind seine Knochen, sagt sie. Der Herr Vatter aber belehrt sie schon fast feierlich: – Das sind keine Knochen, das sind Gräte, merk dir das, Franzl! Du nickst nur, während die Mutter mit einem schnellen Griff den Schwanz mit der Gräte hochhebt und auf den Teller legt. – So, das kannst du essen, meint sie, versuch’s! Du versuchst es, aber Dir ist nicht danach: Du denkst an den sterbenden Fisch, Du siehst das runde Auge, Du nimmst einen Bissen, und auf der Zunge hast Du einen faden, mehligen Geschmack, Du kannst ihn nicht hinunterschlucken, Du möchtest ihn ausspucken, aber Du weißt, das darfst Du nicht, Du versuchst es nochmals, Du würgst den Bissen hinunter, aber er kommt wieder hoch und, ob Du es willst oder nicht, er fällt aus dem Mund auf den Teller, und Dir wird schwindlig vor Übelkeit, aber im gleichen Augenblick spürst Du einen trocknen, harten Schlag auf Deinem Kopf, der diesen auf den Teller wirft, hinein in den Fisch und die Gräte. Dein linkes Auge liegt auf dem Auge des Fisches. Du weißt nicht, wie Dir geschieht, Du spürst einen Schmerz, der Dich noch schwindliger werden lässt. Ohne dass Du es gemerkt hast, ist Dein Herr Vatter aufgestanden und hinter Dich getreten. Mit einem Schlag der gestreckten Hand, in der er alle Muskeln angespannt hat, hat er Dir eine jener Ohrfeigen verpasst, die ihn als Lehrer bekannt gemacht haben und für die er, wenn jemand protestiert, was nur selten geschieht, das Wort hat: – Schon in der Bibel steht: Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie. Knurrt es und geht an seinen Platz zurück. Aber auch er, der Strenge und Fromme, wüsste nicht zu sagen, wo dieser so gut verwendbare Spruch steht. (...) |
||||
|
Le LSV | Ses activités | Ses membres | Liens |
||||