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Danielle
Roster (III)
Clara
Schumann - Wieck (1819 - 1896) "... diese Stunden des Selbstvergessens,
wo man nur noch in Tönen atmet." Die Kompositionsphase Clara Schumanns dauerte von 1828 bis 1856.(...) Daß der endgültige Abbruch des Komponierens kurz nach dem Tode Robert Schumanns erfolgte, war sicherlich nicht zufällig. Sie fühlte sich gerade auf diesem Gebiet abhängig von seinem Urteil, und seine ermutigenden Worte gaben ihr die Kraft, gegen ihre Selbstzweifel anzukämpfen. Tatsächlich spielte Robert Schumann in diesem Bereich - vor allem in Anbetracht der damals gängigen Vorurteile gegenüber von Komponistinnen - eine positive Rolle. Einige ihrer frühen Werke hatte er in der 'Neuen Zeitschrift für Musik' rezensiert. In den dreißiger Jahren bat er sie öfters um Kompositionen für die musikalische Beilage der Zeitschrift. Er nahm sie als Komponistin ernst. Vor ihrer Ehe schrieb er: "Wir geben dann auch manches unter unser beider Namen heraus. Die Nachwelt soll uns ganz wie ein Herz und eine Seele betrachten und nicht erfahren, was von Dir, was von mir ist. - Wie glücklich bin ich." Im Sommer 1839: "Du vervollständigst mich als Componisten, wie ich Dich. Jeder Deiner Gedanken kömmt aus meiner Seele..." Auch nach der Eheschließung spornte er sie zum Komponieren an und warb um Verleger für ihre Werke. Trotz der Anerkennung aber übernahm er als pater familias auch in musikalischer Hinsicht immer mehr die Lehrerrolle. (...) Ihr Selbstverständnis als Komponistin war vor und während der Ehe äußerst zwiespältig. Als Kind und junges Mädchen komponierte sie, weil ihr Vater es von ihr erwartete und weil sie am musikalischen Erfinden und Gestalten Freude hatte. 1838, als sie begann, über ihre Rolle als Komponistin nachzudenken, tauchten erste Zweifel auf. Sie selbst äußerte sich über ihr Hauptproblem: "Ich tröste mich immer damit, daß ich ja ein Frauenzimmer bin, und die sind nicht zum componieren geboren. Ich zweifle oft ganz an mir ..." "Ich glaubte einmal das Talent des Schaffens zu besitzen, doch von dieser Idee bin ich gänzlich zurückgekommen, ein Frauenzimmer muß nicht componieren wollen - es konnte es noch keine, sollte ich dazu bestimmt sein? das wäre eine Arroganz, zu der mich bloß der Vater einmal in früherer Zeit verleitete." Sie litt von Kindheit an an mangelndem Selbstbewußtsein. Komponistinnen im 19. Jahrhundert hatten jedoch eine große Portion Selbstbewußtsein und Kampfbereitschaft - sie selbst bezeichnete es als "Arroganz" - nötig, wenn sie trotz der damals üblichen Vorurteile, Frauen hätten kein Talent zur Komposition, und trotz des Mangels an historischen weiblichen Vorbildern (die Geschichte der Komponistinnen war zu dieser Zeit noch nicht geschrieben) sich nicht entmutigen ließen. Clara Schumann-Wieck war bei weitem nicht die einzige Komponistin, die sich zur Resignation gezwungen sah. Die (nur scheinbare) Geschichtslosigkeit weiblichen Komponierens verunsicherte sie und führte sie dazu, die männlichen Vorurteile gegen Komponistinnen zu verinnerlichen: "natürlich bleibt es immer Frauenzimmerarbeit, bei denen es immer an der Kraft und hie und da an der Erfindung fehlt ...", schrieb sie 1846. (...) Ihr Schaffensdrang und ihre vielfach belegte Schaffensfreude jedoch waren so groß, daß sie trotz größter Zweifel dennoch 18 Jahre lang weiter komponierte, bevor sie definitiv darauf verzichtete. Wäre fehlendes Selbstbewußtsein der einzige Grund gewesen, hätte sie vermutlich, wenn auch wie üblich unter schweren Kämpfen mit sich selbst, nach 1856 weiter komponiert ("und wäre es nur, daß man es täte, um diese Stunden des Selbstvergessens, wo man nur noch in Tönen atmet..."). In ihrer Kompositionsphase fällt eine Schaffenskrise zwischen 1848 und 1853 auf, die auf zusätzliche Schwierigkeiten hinweist. An den von 1828 bis 1847 in kontinuierlicher Folge entstandenen Kompositionen "kann ein wachsender kompositorischer Anspruch festgestellt werden" , der 1847 in dem Entwurf eines zweiten (nie vollendeten) Klavierkonzertes in f-moll gipfelte und vermutlich für sie die größte Herausforderung darstellte. (...) Vor ihrer Ehe war sie von aller traditionellen weiblichen Arbeit freigestellt, als Ehefrau und Mutter wurden ihrer Selbstverwirklichung als Komponistin mit stetig wachsender Familie immer engere Grenzen gesetzt. Da intensive Arbeitsphasen am Klavier sie zur Komposition anregten, sie aber nur sehr wenig Zeit zum Arbeiten hatte (nur wenn er nicht komponierte), fehlte ihr, außer der Zeit, auch der nötige Ansporn. Als sie 1853 zum erstenmal in ihrer Ehe eine Wohnung bezogen, in der ihr Arbeitszimmer weit genug von dem ihres Mannes entfernt lag, so daß sie nach ihrem eigenen Rhythmus arbeiten konnte, wirkte sich diese neue Situation (schalldichtes ' Zimmer für sich allein ') auch positiv auf ihre Kompositionstätigkeit aus und setzte ihrer Schaffenskrise ein vorläufiges Ende. In rascher Folge komponierte sie die 'Variationen über ein Thema von Robert Schumann' op. 20, die 'Drei Romanzen' für Klavier op. 21, die 'Drei Romanzen' für Violine und Klavier op. 22 und die Lieder op. 23. Weihnachten 1856 schenkte und widmete sie Johannes Brahms eine Romanze in h-moll, ihre letzte Komposition. Brahms äußerte sich in seinen Briefen selten über ihre Kompositionen, die wenigen Stellen aber, wo er es tat, lassen darauf schließen, daß er sie als Komponistin schätzte und sie zumindest zu Lebzeiten Schumanns zum Komponieren ermutigte. (...)In den Jahren 1854 und 1856 spielte er mehrere ihrer Kompositionen öffentlich. Obwohl er ihr gegenüber zwar immer beteuerte, sie nehme unter den Frauen eine Sonderstellung ein, konnte er ihr seine allgemein negative Einstellung gegenüber Komponistinnen sicherlich nicht verhehlen. (...) Daß sowohl Brahms als auch Joachim sie nur als Ausnahmeerscheinung in einer Zeit und in einer Gesellschaft, die komponierende Frauen weder zulassen wollte noch ernst nahm, gelten ließen, war eine Situation, mit der Clara Schumann, wie oben beschrieben, nicht fertig wurde. Ein solches Lob konnte sie schwerlich ermutigen und verstärkte eher noch ihre Angst und Unsicherheit. In ihren zahlreichen Konzerten zwischen 1854 und 1891 spielte sie nur äußerst selten eigene Kompositionen. Sie unterzog sie zudem einer strengen Auswahl und nahm lediglich das Klaviertrio op 17, die Variationen op 20, das Scherzo op 14 sowie verschiedene Lieder gelegentlich in ein Programm auf. Danielle
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