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Emile
Hemmen
(III)
Treibholz
(Auszug)
- Die
Worte, die uns halfen,
- sind
vertrocknet,
- und
die Narbe brennt
- im
müden Atem,
- Haut
an Haut,
- bis
in dein Blut hinein.
-
- Die
Worte, die uns hielten,
- sind
zerrissen,
- und
das Stumme wächst
- in
abgezählten Schritten
- durch
die Uhren
- und
durch ein Gesicht.
-
*
- Da
bleibt die müde Spur
- am
Rand der Stille,
- hinter
den gekränkten Bäumen,
- im
Geruch der Felder.
-
- Die
Früchte
- haben
sich ans Gift gewöhnt,
- der
Maulwurf
- geht
dem Schnee entgegen.
-
- Unberechenbar
die trübe Trauer
- eines
Regens
- auf
dem Rest der Erde.
-
- Und
man gibt uns eine letzte Frist.
- Im
Treibholz-Sarg
- liegt
noch versteckt der neue Text,
- das
leere Bild der Wälder,
- der
letzte Aufschub
- für
den Traum.
-
*
- Erinnerungen
an die Flucht
- und
an gefrornen Atem.
-
- Herzklopfen
- und
die letzten Stimmen,
- die
noch wärmten.
-
- Quer
durch die Nacht
- das
Rollen der Geschütze.
-
- Kurzschrift
des Wartens,
- mit
dem Wind im Rücken.
-
- Nur
im Dunkeln
- ließ
das Leben
- mit
sich reden.
-
- Jäger
und Gejagte,
- wer
will das noch wissen?
-
*
- Die
Eichen wehren sich umsonst
- am
Feldweg,
- der
zur Grenze führt.
-
- Wir
sahen noch die leeren Bunker
- hinter
weißen Fahnen.
-
- Die
Feldpost von der Ostfront
- aufgehoben
in den alten Schränken
- und
im Schattenhof
- der
ausgestandnen Ängste,
- wo
man sich dann zögernd fragt,
- wer
wen noch überlebt.
-
- Im
Kopf,
- da
nistet noch die alte Wut,
- doch
draußen
- wachsen
neue Dinge nach,
- mit
oder ohne uns.
-
*
- Die
Zeit aus Stacheldraht
- in
blassen Schlaf gemischt
- und
eingemauert sein
- bis
hin zum letzten Wort.
-
- Bis
hin zum Niemandsland,
- das
fremd sich auftut
- wie
ein Grab,
- ersoffen
und verstrahlt.
-
- Die
Straße
- klopft
Gedächtnis wach.
-
- Der
Wind
- der
durch mein Schweigen geht,
- geht
auch durch dich.
-
- Die
Uhr,
- die
lügt uns Zukunft vor.
-
*
- Dicht
an den Steinen leben
- mit
der kalten Stille,
- und
die Augen unterwegs
- mit
Regen und mit Fledermäusen.
-
- Weit
im Rücken
- nur
noch tote Tage
- und
die hohlen Worte.
-
- Ein
Weiß-nicht-mehr,
- rauchgrau
im Ascheneimer
- des
Erinnerns.
-
- Wortbilder
ohne Worte,
- Lärm
als Stimmung
- und
ein Außenseiter,
- der
im Regen steht.
-
*
- Man
hat die Spuren schon verwischt,
- die
in das Helle führten.
-
- Die
Landschaft,
- fortsetzbar,
- von
Brüssel aus verwaltet,
- bis
sie leer,
- zerrissen
- und
geruchlos wird.
-
- Bis
auch die letzten Dinge,
- wie
zum Schlussverkauf,
- mit
Daten
- und
mit Normen
- eingeordnet
sind.
-
- Den
Rest besorgt
- die
Leuchtspur aus dem Internet.
-
*
- Der
letzte Bauer
- hat
sein letztes Ackerland verkauft,
- für
eine neue Autobahn.
-
- Die
Steinzeit ist doch längst vorbei:
- zuviel
Jahrtausend in den Köpfen
- und
zuviel Zwischenzeit im Schlaf.
-
- Das
Treibholz der Geschichte
- wartet
noch im Gestern.
-
- Schau,
wie man schon im Kühlturm
- neue
Wolken macht!
-
- Und
warum
- gehst
du nicht spazieren?
-
*
- Die
alten Schatten wachsen mit
- im
Selbstgespräch der Pappeln.
-
- Vollbeschäftigt
grüßt der Tag
- am
grauen Rand der Autobahn,
- und
plötzlich sind die Wörter weg.
-
- Der
Vorort
- ist
nur Einflugschneise,
- die
uns ausschließt
- aus
der Zärtlichkeit der Nacht.
-
- Doch
hier fängt schon die Ferne an,
- hier
an der Einflugschneise.
-
*
- Treibholz-Ferne
- schwimmend
auf dem trüben Wasser
- durch
die leeren Tage.
-
- Und
der letzte Traum:
- Die
Angst, in der ich weiter muss,
- der
zugewachsne Schlaf,
- ganz
ohne Pause
- draußen
in dem kalten Fließen.
-
- Holz
und Wasser,
- die
Versteinerung des Mundes
- und
das stete Tropfen
- der
Geduld.
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